Frank Hillmann

Vogelperspektiven


  

Faszination Geocaching

  

Meine schönsten Erlebnisse

                                          

von

       

Frank Hillmann

                      

© Frank Hillmann

       

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das   Recht der mechanischen, elektronischen oder fotografischen Vervielfältigung,   der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, des   Nachdrucks in Zeitschriften und Zeitungen, des öffentlichen Vortrags, der   Verfilmung oder Dramatisierung, der Übertragung durch Rundfunk und Fernsehen   oder Video, auch einzelner Textteile sowie der Übersetzung in andere   Sprachen.

  

Inhalt

  

Prolog

  

Erster Cache

  

Ausblick

  

Zweiter Cache

  

Kreativer Multicache

  

Erster Nachtcache

  

Erster Lostplace Multi

  

Zweiter Nachtcache

  

Zweiter Lostplace Multi

  

Bezaubernder Nachtcache

  

Lostplace Tradi

  

Adrenalin LP NC

  

Seilklettercache

  

Erster eigener Nachtcache als Owner

  

Zweiter eigener Nachtcache als Owner

  

Eigener Multicache D5

  

FTF

  

Epilog

  

Liebe Leser!

  

Dieses eBook soll vor allem leicht und locker   zu lesen sein, spannende Situationen und Gedankengänge rund um das Geocachen   schildern und einen Einblick in diesen boomenden Trendsport geben. Ich habe   ganz bewusst die gebräuchlichsten Fachbegriffe direkt in den Text integriert.   Mit einfachen Englischkenntnissen und aus dem Zusammenhang im Text sind aber   viele davon selbsterklärend. Spätestens nach einigen Seiten wird nach und   nach alles deutlich. Ich selbst habe zu Beginn meines Hobbys die Bedeutung   vieler Begriffe erst erahnen müssen. Dieser Lernprozess erzeugt viel Spannung   - und genau diese Spannung möchte ich in meinem Buch auf den Leser   übertragen, um seine Neugier zu wecken, in das faszinierende Hobby Geocaching   einzutauchen.

  

Alles andere, was man wissen muss, kann man   googeln. Was man nicht googeln kann, steht hier.

  

Auf meiner Internetseite www.frankhillmann.de sind   weitere Informationen über mich, dieses eBook, sowie Fotoimpressionen und   Leseproben zur Verfügung gestellt.

       

Prolog

       

Ich bin bereit.

  

Da liegt sie nun, meine nagelneue Ausrüstung, 
  die auf ihren Einsatz wartet. 
  Ihren Einsatz, um mir den ersten Schritt in 
  mein neues Hobby zu ermöglichen.

  

Ein neues Hobby?

  

Eines, das ich mit meinen vielen anderen

  

Outdooraktivitäten verbinden kann?

  

Eines, das meine Denk- und vor allem 
  Sichtweise nachhaltig beeinflusst?

  

Eines, das mich gedanklich beschäftigt?

  

Eines, das mich körperlich herausfordert?

  

Eines, bei dem ich glänzende Augen bekomme, 
  wenn ich Muggels davon berichte?

  

JA!!! Genau das!

  

Mein Lieblingshobby:

  

Geocaching.

       

Erster Cache

  

Alles war beisammen. Mein GPS samt   Ersatzakkus, das Listing, die Grundausstattung. Aus der Beschreibung und   meinen Ortskenntnissen in der Homezone weiß ich ungefähr, wo der Startpunkt   meines ersten Multicaches liegt. Trotzdem tippe ich die Startkoordinaten in   mein Navigationsgerät ein und lasse mich so zum Ausgangspunkt führen. Als   kleine Übung ist das schon mal ganz gut. Wie vermutet erreiche in den kleinen   Parkplatz am Waldrand. Hier muss ein kleines Rätsel gelöst werden. Tja, ein   kleines, einfaches Rätsel. Das bestätigt auch die D-Wertung im Listing. 2   Sterne D ist die Bewertung für recht leichte Rätsel. So vergeht die Zeit. 10   Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, was will der Owner denn bloß von mir? Ah ok,   so ist das gemeint, das ist ja cool. Super, ich weiß, wie es funktioniert.   Jetzt schnell die Koordinaten (Koos) für die nächste Station eingeben, GOTO   wählen und im Display erscheint, dass es bis zur nächsten Station 400 Meter   sind. Luftlinie versteht sich. Meinen Heimvorteil nutze ich, um nicht   querfeldein zu gehen, sondern den richtigen Weg zu wählen.

  

Ich bin am Zaun des Wasserwerkes angekommen   und muss nun Gitterstäbe zählen, ach wie einfach, aber das schult den Umgang   mit dem GPS. Ruckzuck stehe ich an der nächsten Station, wenn ich sie denn   erkennen würde. Ich lese aufmerksam das Listing und die Logs der vorherigen   Finder. Hier muss alles ok sein, denn noch gestern wurde der Cache ja   gefunden. Ich soll einen Baum suchen, na toll, ich steh im Wald, hier gibt es   jede Menge Bäume. Ich sehe buchstäblich den Wald vor lauter Bäumen nicht.

  

Buchstäblich? Warum ist in der Beschreibung   das Wort Baum kursiv gedruckt? Bedeutet das etwas? Ist das ein Lösungsansatz?   Hier gibt es Bäume, Bäume, noch mehr Bäume und einen Schlagbaum.

  

Am Fuße eines „Baumes“ heißt es im Text.   Bingo. Von unten am Schlagbaum stehen in Spiegelschrift die nächsten Koos   geschrieben. Man müsste sich noch nicht einmal bücken, wenn die erweiterte   Grundausrüstung dabei wäre, zu der auch ein Spiegel mit Teleskoparm zählt.   Dann kann man ganz entspannt, wie am Zoll oder so, alles mit dem Spiegel   untersuchen. Wie geil ist das denn? Cool, ich hab‘s echt drauf! An der   nächsten Station muss ich Vögel zählen. Der mit einer Glasscheibe abgedeckte   Schaukasten informiert über die heimischen Singvögel, ok, interessant für   Wanderer, ich bin jetzt Cacher - oder werde es nach meinem ersten „found-it“   spätestens in zwei Stunden sein.

  

Ich habe einen Auftrag zu erfüllen. Also   nicht lesen, sondern Vögel zählen, Koos berechnen, eintippen, GOTO und die   Entfernung zur nächsten Station beträgt 56,246 Kilometer. Na toll! Wie soll   das denn gehen? So etwas Doofes, der erste kleine Rückschlag. Ich sehe mir   die Vögel noch einmal an. Oh, auf dem einen Bild sind zwei zu erkennen, das   Weibchen von dem man nur den Kopf erkennen kann, zählt auch.

  

Der andere Vogel da hat auch eine Partnerin.   Ok, ich zähle noch einmal und zur Sicherheit auch noch ein weiteres Mal.   Shit, zweimal zählen, zwei verschiedene Ergebnisse. Ich werde mir bewusst,   dass ich hier exakt und systematisch vorgehen muss. Die 56 Kilometer waren ja   eindeutig falsch, aber was ist, wenn man mal durch falsche Ergebnisse   vielleicht 500 Meter off liegt? Vergebliches langes Suchen? Aufgeben? Gehen   Sie zurück zur Badstraße, gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4000 DM   ein? Nun habe ich erkannt, wie fatal die kleinsten Fehler werden können. Also   notiere ich die Namen und die Anzahl aller Vögel, rechne zwei Mal zusammen,   tippe ein, goto, 467 Meter, passt, klasse. Wieder etwas gelernt. Ich hab‘s   eben doch drauf!

  

Erneut erwartet mich ein Schlagbaum - hey,   kenne ich doch schon, also runter auf die Knie, alles von unten absuchen und:   Nichts! Dreißig Minuten und immer noch nichts. Im Listing steht was mit Hint   für diese Station, also ein Tipp zum Finden. „UNTEN“ erhalte ich als Hint,   wenn ich den nicht deutbaren Text mit ROT 13 entschlüssele. James Bond lässt   grüßen oder wie? Voll abgefahren! Einerseits bin ich total begeistert, dass   ich als neue Fremdsprache ROT 13 gelernt habe, andererseits aber leicht   genervt, dass ich mit dem „UNTEN“ nicht wirklich weiterkomme. Wenn‘s mal   wieder länger dauert – Schokoriegel, eine geniale Erfindung. Natürlich stecke   ich meinen Müll in die Tasche zurück. Es gibt anscheinend aber auch Leute,   die lassen ihren Müll liegen, und wenn es nur der Deckel einer Wasserflasche   ist. Wenn ich schon mit dem Rätsel nicht weiterkomme, setze ich mich   wenigsten für die Umwelt ein. Nach einem Blick auf die Uhr beschließe ich,   für heute erst einmal Pause zu machen, um bei der nächsten Gelegenheit hier   weiter zu suchen. Ich hebe noch schnell den Flaschendeckel auf und…was ist   das denn? Ein Kunststoffröhrchen mit Flaschendeckel, innen drin ein   zusammengerollter Zettel mit der nächsten Aufgabe. Außen ist ein Aufkleber   angebracht. Dieses Geocaching-Logo und ein Hinweis „Dies ist kein Müll –   sondern Teil eines weltweiten Spieles. Weitere Infos bei www.geocaching.com.“ Ist ja cool. Ich   stehe hier am Vorfinale. Die nächste Station ist die letzte. Das Final. Der   Cache. Die Dose. Der Schatz. Das Ziel meiner Reise. Auf dem Blatt stehen   etwas umfangreichere Aufgaben. Unterwegs sollte ich mir einige Notizen   machen. Wofür, wird mir jetzt erst klar. Um das Finale zu finden, den Cache   zu loggen, benötige ich Informationen von allen vorherigen Stationen.   Abkürzen ist also nicht möglich – pfiffig gemacht. Ich berechne die   Finalkoordinaten, logisch, zweimal, hey, ich bin Profi. GOTO, 345 Meter,   passt. Ich lege den Zettel wieder in den Petling und platziere ihn zurück.   Wow, gleich ist es so weit! Ich bin nicht länger Muggel. Ich bin Cacher.   Dosensucher und ein Mensch, der dem Cache-Virus verfallen ist, aber das weiß   ich erst 50 Dosen später.

  

Die Spannung steigt, nur noch wenige Meter   zum „found-it“. Auf dem Listing sehe ich, dass es eine große Dose sein muss,   diese Erkenntnis erleichtert die Suche ein wenig. Da an der dicken   Baumwurzel, unter den vielen Ästen könnte er sein. Die Spannung steigt   weiter, ist es wirklich dort, bin ich am Ziel?

  

Der Cache, mein erster, der alles verändert.   Ich lege die Äste zur Seite, ziehe die Dose aus ihrem Versteck, passe auf,   nicht beobachtet zu werden und öffne ihn. „Herzlichen Glückwunsch – du hast   es gefunden“, steht auf dem Logbuch. Ich lese die beiden Worte noch einmal   langsam. Ja, herzlichen Glückwunsch. Genau. Ich gratuliere mir gedanklich   auch noch einmal. In dem Buch steht der Name des Owners, also die Person, die   den Cache hier ausgelegt hat. Eine ganze Reihe weitere Eintragungen, logs   eben, von den Leuten, die vor mir den Cache gefunden haben. Manche haben ihren   eigenen Stempel oder ihre eigenen Aufkleber neben Datum und Uhrzeit gesetzt.

  

Die vielen Abkürzungen kann ich nicht deuten.   Einige Kommentare lassen durchblicken, dass dieser Cache wohl eher   unterdurchschnittlich ist. Nett und einfach eben. Hey, das war doch das   Genialste, was ich seit langer Zeit im Wald angestellt habe. Neben dem   Logbuch gibt es noch einige Tauschgegenstände, Münzen und ein paar komische   Dinge, die ich nicht kenne. Ich trage mich im Buch ein, verstecke alles   wieder ordentlich und fahre überglücklich nach Hause. Den ganzen Rückweg muss   ich grinsen. Cool – ich bin jetzt ein echter Cacher. Mit einem eigenen Found   ohne Hilfe. Beim ersten Mal wollte ich alleine sein. Zu Hause angelangt,   fragt meine Frau: „Na, wie war es“? „Puh, Vögel zählen im Schaukasten ist   total kniffelig!“ „Ah ja, und das dauert fünf Stunden?“ „Natürlich, du   Muggel“. So, nun folgt die Büroarbeit. PC anwerfen, Internet starten,   Geocaching Seite laden, den Cache auswählen und auch dort ein „found-it“   loggen. Das war's. Mein erster Multi. In meiner Geocaching Statistik, auf   meinem Account, den ich ein paar Tage zuvor angelegt hatte, erscheint mein   erster Cache später als Meilenstein. Ja, das sehe ich genau so!

       

Ausblick

  

Der Grat zwischen Gut und Böse, zwischen   „found-it“ und „do-not-found“,

zwischen Freude und Frust ist ein sehr schmaler.

Oft sind es nur ein paar Schritte oder   Gedanken, die entscheiden.
  

Ich kann nicht anders, es brennt in mir, ich   muss es einfach hier und jetzt sagen.

Das bisher Geschriebene ist nur die Spitze vom Eisberg.
Es wird sehr - sehr viel aufregender,   spannender, kniffliger, anstrengender,
emotionaler und wenn man einmal richtig   infiziert ist, hört es nie wieder auf, das Cachefieber.
  

Ich werde früh morgens nach Sonnenaufgang nach Hause kommen –

  

obwohl man Nachtcaches im Dunkeln sucht.

  

Ich werde morgens total verdreckt, nass, kalt und hungrig nach Hause kommen –

und trotzdem überglücklich sein.
  

Ich werde mich fragen, ob ich vielleicht wegen Terrorverdacht Ärger mit den Behörden bekomme – und muss nur grinsen.

  

Ich werde mich fragen, warum ich hier und   jetzt am Seil in 10 Meter Höhe

  

am Baum hänge – obwohl ich eigentlich   Höhenangst habe.

  

Ich werde mich fragen, warum ich stundenlang   versuche, Verschlüsselungsalgorithmen

  

zu begreifen – obwohl ich nicht beim   Geheimdienst arbeite.

  

Ich werde mich nicht fragen, warum ich dieses   Buch schreibe, denn das weiß ich:

  

Weil meine Augen glänzen und meine Finger   kribbeln, weil die Welt einfach

  

wissen muss, wie faszinierend Geocachen sein   kann.

       

Zweiter Cache

  

Hier ist mal rein gar nichts. Ich stehe in   der Ecke des großen Parkplatzes eines Einkaufszentrums. Aber warum stehe ich   hier, wenn der Waldweg auf der anderen Straßenseite beginnt? Tippfehler im   GPS? Ungenaue Koordinaten? Flüchtigkeitsfehler? Eigentlich nicht! Ich bin   sorgfältig vorgegangen, habe ja bei meinem ersten Cache erfahren, wie wichtig   es ist, besonnen und scharfsinnig zu agieren. Außerdem, wie soll ich hier bei   den vielen Einkauf-Muggels ungestört und unauffällig Infos über die nächste   Station suchen und auch finden? Hier gilt die STVO steht auf dem Schild, das   ziemlich genau an den Startkoordinaten steht. Ok, dann ist es wohl dieses   Schild, welches meine verstärkte Aufmerksamkeit fordert. Ich sehe wohl   ziemlich hilflos aus, oder warum fragen mich die Muggels, ob sie mir helfen   können? Schön peinlich! Nein, nicht schon wieder ein Schokoriegel, das will   ich jetzt nicht.

  

Schilderservice-Druckwerkstatt steht auf   einem der vielen Aufkleber, die rückseitig auf dem Schild kleben. RAL-Nummer,   DIN usw. Tel 05208155 Fax: 0812643. Komisch, Telefonnummer aus dem Nachbarort   und Fax in Bayern. Tja, nicht mein Problem! Aber meine Lösung! Nur die Null   vor der 52 ist zur Tarnung da, der Rest sind die exakten Koos der nächsten   Station, ganz offensichtlich angebracht. Auch cool. Jetzige Position   markieren, runter scrollen, Ziffern editieren, neuen Wegpunkt speichern,   danach auswählen und GOTO drücken. Das sind die einzelnen Schritte, die mein   GPS-Gerät erfordert, um mich zur nächsten Station zu bringen. Gewiss, etwas   umständlich und die Bedienung lässt im Vergleich zum jetzigen Stand der   Technik echt zu wünschen übrig. Dafür ist mein GPS aber wasserdicht, schön   gelb, zuverlässig, auf drei Meter genau und als Einsteigermodell für rund 80   Euronen zu haben.

  

In meiner Homezone, in der ich meine ersten   Caches suchen werde, beginnen alle Koordinaten mit N 52xxxxx und E 008xxxx.   Gut zu wissen, falls solche Ziffern mal irgendwo auftauchen. Jedes Mal neue   Herausforderungen, andere Ideen, andere Aufgabenstellungen, die oft erst   erkannt werden wollen, um sich dann der Lösung mehr oder weniger stark zu   widersetzen, das macht Geocaching so spannend.

  

Nun bin ich tatsächlich am Rande des   Waldweges und hier ist schon wieder ein Schild, allerdings ganz ohne Aufkleber.   BORA steht im Hint. Auf meinem Listing ist am Rand ein Buchstabenstreifen mit   eingedruckt. In der oberen Zeile liegen die ersten 13 Buchstaben des   Alphabets, in der Zeile darunter die zweiten 13. Ich ersetze die Buchstaben   von BORA jeweils einzeln durch die gegenüberliegenden und erhalte somit OBEN.   So funktioniert ROT 13, und ich weiß, wo ich suchen muss. Oben am Schild.

  

Wie sollte es auch anders sein, oben am   Schild ist nichts zu sehen. Die ersten Zweifel steigen in mir auf, ob das der   richtige Cache für mich ist, oder ob Geocaching überhaupt mein neues Hobby   wird. Und jetzt? Na, wenigstens stehe ich nicht mehr auf dem Parkplatz und   werde doof angequatscht. Ich habe so rein gar keine Idee, wie es hier   weitergehen könnte. Vorsichtshalber habe ich mir die letzten zehn Logs über   die Druckfunktion auf der GC-Seite mit ausgedruckt. Ich lese die Einträge und   stelle freudig fest, dass hier auch schon andere Cacher leichte Probleme   hatten. Natürlich steht nicht im Logtext, „Schau dort nach“, spoilern gehört   sich nicht. Vielmehr umschreiben die Leute mit ihren eigenen mehr oder   weniger mehrdeutigen Sätzen des Rätsels Lösung. Jeder Eintrag für sich   genommen führt nicht wirklich weiter, aber alles zusammen, mit etwas   Fantasie, lässt mich erahnen, dass der begehrte Hinweis nicht oben am Schild,   sondern oben im Schild untergebracht ist. Ja nee, is' klar. Im Schild, wie   soll das gehen? So: Den Schutzdeckel des Metallrohres vorsichtig abziehen,   die Schnur fassen, die am Deckel befestigt ist, und dann so lange ziehen, bis   der Petling erscheint. Alle Zweifel sind verschwunden, definitiv mein Cache,   definitiv mein Hobby. Das hat aber ganz schön gedauert, ok, dann will ich   jetzt mal etwas schneller vorgehen.

  

Das GPS-Gerät erwartet schon sehnsüchtig   meine Finger, aber daraus wird nichts. Was ist das jetzt schon wieder? Wo   sind meine Zahlen die mit 52 und 8 beginnen? Hier steht nur: 356 Meter 196°.   Mehr nicht. Ende im Gelände? Aus die Maus? Nein, eine neue Herausforderung.   Einen kleinen hübschen Kompass nenne ich mein Eigen, kann ihn sogar lesen und   bedienen, hey, ich war vier Jahre bei der Bundeswehr, habe die Rekruten oft   den Umgang mit Karte und Kompass lehren dürfen, zudem bin ich technisch sehr   interessiert.

  

Leider nutzt mir all das im Moment reichlich   wenig. Ich habe keine Karte. Der Weg vor mir geht nur geschätzte 50 Meter   geradeaus, mit einer Peilung komme ich somit auch nicht weiter. Zugegeben,   beim Surfen und Recherchieren habe ich ansatzweise von Wegpunktprojektion   gelesen, mich aber nicht weiter dafür interessiert, weil mein kleiner,   gelber, wasserdichter Freund das leider nicht kann. Ein Aufgeben oder   Pausieren kommt für mich nicht in Frage. Es ist noch ein paar Stunden hell.   Noch habe ich null Peilung, aber ich ahne, wie es klappen könnte. Bisher war   es so: Nachdem ich GOTO gedrückt habe, zeigt mir ein Pfeil die Richtung und   eine Zahl die Entfernung zum Ziel. Das kommt meinen Angaben schon recht nahe.   Wenn ich mich nun von hier wieder entferne, so wird die Anzeige   logischerweise von jetzt (null), wieder größer. Somit erhalte ich den Radius   in 356 Meter Entfernung, auf dem die nächste Station liegt. Mit dem Kompass   ermittele ich grob die Richtung und folge dem Weg. Zum Glück gibt es dieses   Mal nur einen. Ich schaue währenddessen gebannt auf das Display. Die   magischen Zahlen, die ich sehen möchte sind also: Entfernung (vom letzten   Punkt) 356 Meter und, aufgepasst, Richtung 16°. Das ist die Gegenpeilung 196°   – 180°, die ich erhalten muss, wenn ich eine manuelle Rückwärtsprojektion   durchführe. Bingo, hier angekommen finde ich eine kleine Wanderhütte, in der   ich kurz pausiere und fast überwältigt bin von meinem eigenen Ideenreichtum.

  

Auch dieses Vorfinale ähnelt dem des ersten   Cache. Nett finde ich, dass ich hier, wind- und wettergeschützt, am Tisch   sitzend die Finalkoordianten ermitteln kann. Keine auffällige Baumwurzel,   wieder einmal irgendwie nichts. Das kenne ich ja mittlerweile schon recht   gut. Eine große Dose verspricht das Listing. Große Dosen kann man aber hier   nicht verstecken. Nach etwas längerer Suche finde ich einen Petling. Dann ist   wohl das Listing falsch, denn ein Petling ist definitiv keine große Dose, das   kann ich selbst mit meiner geringen Erfahrung beurteilen. Komisch. Im Petling   steckt ein Zettel, darauf steht: „Du bist hier falsch. Beachte bei deiner   Berechnung exakt die Reihenfolge und denke an die Vorzeichen“. Scheint wohl   ein beliebter Fehler zu sein. Aber irgendwie finde ich es klasse, hier nicht   mit seinem Fehler alleine gelassen zu werden, sondern den richtigen Tipp zu   bekommen.

  

Zurück zur Hütte, Fehler erkannt, Fehler   beseitigt, nur bleiben jetzt eigenartigerweise drei Ziffern aus meinen   Aufzeichnungen übrig. Ein Gefühl, als wenn man etwas am Auto repariert hat   und alles toll funktioniert, obwohl drei Schrauben übrig sind. Mmmmmmh? Ok,   learning by doing, trial and error, oder einfach mal Mut zur Lücke. Hier muss   es sein, mein GPS zeigt „Ankunft am Ziel“. Ich stehe so ca. 20 Meter vom Weg   entfernt in einer Fichtenschonung. Die Bäume sind in exakten Reihen   gepflanzt, sind alle gleich groß und der Boden ist absolut regelmäßig mit   Fichtennadeln bedeckt. Ach Mann , kann es denn nicht mal einfacher sein? Am   Boden ist nichts, wirklich, den hab ich mit meinen Augen gründlich   abgescannt. Zeit für eine kleine Pause.

  

Das Wetter ist schön, der Wald duftet, der   Boden läuft sich ganz weich, wie ein dicker Teppich. Die Sonne glitzert   schrägt durch die Bäume, es ist ganz still hier. Kein Lärm von den Straßen,   hier hört man nichts, nicht mal einen Vogel. Ich genieße diese Ruhe und setze   mich auf den weichen Waldboden. Alles schön. Echt! Nur die Dose hätte ich   jetzt trotzdem noch gerne. Mein Blick schweift umher, nicht direkt suchend,   sondern den Wald bewundernd. Zeitlupe, Tempo raus. Irgendwie hatte ich es   vorher schon eilig. Ich schaue mir die Bäume an, saftige Äste mit Nadeln,   trockene, abgebrochene Zweige, helle Stellen mit Harz und ein Vogelhaus. Na,   ich schau mal, ob da jemand wohnt.

  

Vielleicht ist es für Fledermäuse, für   Krabbeltiere oder eine Borkenkäferfalle? Auf jeden Fall für ganz kleine   Tierchen, denn es hat keinen Eingang. Na, dann setze ich mich wieder hin und   gehe nochmal gedanklich alle Stationen durch. Alles logisch, allerdings   erkennt man seine eigene Fehler selbst eher schlecht. Ich sehe mir noch   einmal das Vogelhaus an. Komische Konstruktion. Etwas versteckt ist dort ein   Vorhängeschloss angebracht. Ein Vorhänge-Zahlenschloss hab ich noch nie   gesehen. Interessant!

 Ok, einen Versuch ist es wert. Mit zittrigen Fingern drehe ich die Rädchen des Schlosses und zwar auf die drei Ziffern, die bei meiner Finalberechnung übrig geblieben waren. Irgendetwas stört die Ruhe hier plötzlich im Wald. Ein lautes „YES“ schallt von den Bäumen zurück. Ups, war ich das etwa? Sonst ist ja niemand hier! Hier loggen, im Net loggen, das geht nun wie von selbst. Ich setze profimäßig meinen Nicknamen unter meinen Eintrag. Dazu noch ein No Trade (NT) denn ich habe nichts getauscht und ein Thanks For The Cache (TFTC).